Making of: Der Uhrenvergleich der Gebrüder Twinslow

 

Wir haben einen Film produziert und kamen zu dem Entschluss ihn doch nicht zu zeigen. Aber ich kann euch schreiben, wie es am Set zuging. Außerdem ist es für mich eine Gelegenheit mal einen Klartext zu schreiben und zu erklären, wie ich zu dem Film stehe und zu der Entscheidung, ihn nicht zu veröffentlichen. Denn offensichtlich gibt es ein paar Trolle, die meinen es besser zu wissen und meinen Ruf durch überzogene, subjektive Halb- und Nichtwahrheiten zu gefährden und mich völlig unberechtigt als Lügner zu beschuldigen. Deshalb werde ich den kompletten Verlauf der Produktion sowie der Privatvorführung und anschließenden Absprache, die mehrere Monate gedauert hat, bis ins Detail beschreiben. Dann kann sich von mir aus jeder selbst ein Bild davon machen. Ich werde dabei auch auf die Teilnehmer und ihre Meinung zu dem Film eingehen, diese aber namentlich nicht nennen, aus Gründen der Persönlichkeitsrechte.

 

 

 

Idee für einen Film:

 

 

 

Nachdem ich öfters mit meinen Kollegen kleine Scatch-Videos zu den Interview-Videos der besuchten Cosdays gedreht habe, bin ich auf die Idee gekommen, ein etwas aufwändigeres Filmprojekt zu starten und habe mit einem meiner Kollegen diese Idee abgesprochen. Er fand die Idee super und ich fing an ein Drehbuch zu schreiben, mit dem Titel „Der Uhrenvergleich der Gebrüder Twinslow“. Das Drehbuch war sehr minimalistisch mit allerlei Rechtschreibfehlern. Aber es ging in erster Linie darum, dass wir etwas hatten, mit dem wir arbeiten und an dem wir uns orientieren konnten. Es sollte ein zwanzig-minütiger Stummfilm im klassischen Schwarzweiß-Stil werden und von zwei Brüdern handeln, die arrogant aufeinander herabschauen. Es sollte eine intelligente Botschaft haben, die den Zuschauern vermitteln, wie überheblich es ist, sich über jemanden lustig zu machen, nur weil er eine Generation jünger oder älter ist. Außerdem sollte, anders als bei den Scatch-Videos, mehr als eine Person beteiligt sein. Mein Vision war es, ein Gemeinschaftsprojekt auf die Beine zu stellen, von der jeder etwas hat. Also stellte ich danach ein Team zusammen und fing mit den Dreharbeiten an.

 

 

 

Produktion:

 

 

 

Das erste, worum man sich kümmern muss, bevor man mit dem Drehen beginnt, ist die Beschaffung der Requisiten und der Kulisse, die zum Setting passen muss. Und glaubt mir das war wirklich sehr schwierig. Da der Film den Stil der 20er Jahre beinhalten sollte, war die erste Idee eine Scene in einem Fabrikbüro. Also musste ich recherchieren, wo man so etwas herbekommt und es kamen nur wenige Kandidaten in Frage, z.B. die Nexus-Halle in Frankfurt. Nach einigen Absagen wurde improvisiert und anstatt die eine Scene in einer Fabrikhalle und dessen Büro zu drehen, nahmen wir stattdessen die Hütte eines Kollegen und machten daraus eine Holzfällergesellschaft, hier nochmal recht herzlichen Dank an den Kollegen, der uns seine Gartenhütte zur Verfügung gestellt hat. Die Requisiten wurden größtenteils in einem Karnevallsladen oder bei Amazon eingekauft. Das war günstig, aber man hatte dort die bessere Auswahl für unser No-Bugdet-Projekt. Ich habe das stets aus eigener Tasche bezahlt, schließlich war ich der Projektleiter. Insgesamt hat mich der Film vielleicht so um die Hundert Euro gekostet. Vielleicht weniger.

 

 

 

Während der Dreharbeiten verlief es immer recht amüsant zu. Wir hatten wirklich jede Menge Spaß vor der Kamera rumzualbern und uns mit der Materie des Filmdrehens zu befassen und neue Ideen mit einzubringen. Etwa 30-40% des Films stammten nicht aus dem ursprünglichen Skript, sondern wurden improvisiert. Es gab insgesamt vier Scenen abzudrehen und ich hoffte das innerhalb eines halben Jahres hinzubekommen. Ab der Hälfte kam es allerdings zu einem Stillstand. Ein halbes Jahr danach wurde nichts mehr mit dem Drehen, weil die Anderen auch nebenbei arbeiten und studieren und ich fing an, an dem Projekt zu zweifeln. Irgendwann kam ich mit den Kollegen wieder zusammen und sprach sie mal erneut darauf an. Sie sagten sie hätten Zeit und die haben wir dann auch genutzt. Aus dem Film wurde schließlich mehr, als ich anfangs gedacht hatte. Und er wurde sogar fertig. Wir haben gemeinsam einen Film gedreht. Ich finde, selbst diese Erfahrungen waren es wert, an dem Projekt zu arbeiten.

 

 

 

Private Filmvorführung:

 

 

 

Nachdem der komplette Film gedreht und gecuttet wurde, fing ich damit an den Film auf DVDs zu brennen und plante eine Premiere unter Freunden. Wir trafen uns und sahen uns den Film gemeinsam an. Alle waren begeistert, obwohl der Film nicht professionell war. Es gab viele Filmfehler, die uns beim Drehen nicht aufgefallen sind, wie eine rumstehende PET-Flasche, die es in den 20ern natürlich noch nicht gab. Wir haben sogar Filmfehler bewusst eingefügt, weil wir das irgendwie lustig fanden. Es war wirklich wie ein Film aus 20er, allerdings längst nicht mit der Raffinesse eines Charlie-Chaplin oder Buster Keaton-Films. Dies sind Legenden, deren Stil und Charme man weder kopieren noch erzwingen kann. Und es wäre überheblich, sich mit ihnen zu messen. Das war auch nicht unsere Absicht.

 

 

 

Film fertig! Und jetzt?

 

 

 

Wir hatten auf jeden Fall eine Menge Spaß und wir fingen an gemeinsam abzusprechen, was wir damit jetzt machen und ob und wo wir den aufführen würden. Youtube haben wir ausgeschlossen, dafür war uns der Film zu schade. Ich wollte ein paar Exemplare an TV-Sender schicken. Darunter ARTE, Tele5. Ich glaub das waren alle, wobei ich ARTE dann doch nichts geschickt habe. Eher Herrn Kalkkofe mit dem Vorschlag, das als Kurzfilm-Schlefaz zu präsentieren. Von ihm verarscht zu werden, wäre für mich eine Ehre. Wir haben nie etwas von ihm gehört. Vielleicht besser so, wenn man bedenkt, was jetzt kommt. Ein Mitglied unserer Filmcrew kam mit dem Vorschlag es einigen Personen zu zeigen, die was Film verstehen, sogar viel besser als wir, denn es handelte sich um ausgebildete Schauspieler und dem bereits mehrmals erwähnten Artdirector, der sich in dem Bereich mehr als bloß gut auskennt. Mit ihm trafen wir uns schließlich und er hat uns sein Feedback gegeben. Wir haben schon mit schlechter Kritik gerechnet, aber rückblickend betrachtet, war es sogar so als würde man Steven Spielberg das Drehbuch zu Sharktopus in die Hand drücken. Er sagte, es sei eine Beleidigung jemandem diesen Film zu zeigen und zwanzig Minuten seines Lebens damit zu verschwenden. Und ja, er hat tatsächlich Recht, wir haben ihm mit diesem Film tatsächlich seine Zeit verschwendet. Er bat mich auch darum bloß niemandem diesen Film zu zeigen, außer meinen engsten Freunden und Bekannten, da wir uns damit bloß blamieren. Also war es erstmal beschlossen, dass wir den Film niemandem zeigen und die Meinungen teilten sich plötzlich. Manche meinen, es sei unberechtigt, so über den Film zu reden und sie fänden ihn nach wie vor gut. Andere meinten plötzlich, wir sollten uns damit nicht identifizieren. Wie ich dazu stehe, erkläre ich mit folgenden Worten.

 

 

Wer würde den Film trotzdem gerne sehen?

 

 

 

Ich finde den Film zwar schlecht und ich war von da ab auch der Meinung, dass eine Vorführung über einen TV-Sender oder sonstiger großer Aufmachen doch unpassend ist. Der ArtDirector hatte an vielen Punkten Recht. Dann musste ich ein wenig grübeln und überlegte mir, es dann doch zumindest am Cosday 2017 vorzuführen. Es wäre keine große Vorstellung für Leute mit der Erwartung eines Blockbusters, sondern ich kenne inzwischen viele Leute vom Cosday und weiß, dass die meisten eher dahingehen, um sich zu amüsieren und auch Spaß an Blödeleien zu haben. Denn es passiert nur einmal im Jahr und ich finde, einmal im Jahr darf man mal blöd sein. Mindestens. Das ist unser Recht als Mensch. Ich versuchte die Filmcrew doch noch mal davon zu überzeugen, einen kleinen Auftritt am Cosday unter die Leuten zu bringen, denen es mehr darum ging, einfach Spaß an der Sache zu haben und sich auch an kleine einfache Dinge zu erfreuen. Ich dachte, die Euphorie unserer Privatvorführung auf ein höheres Level schrauben und noch mehr Leute daran teilhaben lassen zu können. Also besprach ich das mit den einzelnen Filmcrewmitgliedern. Einer war bereit dazu, wenn sein Name durch Ian Smithie ersetzt würde. Aber bereits die zweite Person gab mir ein klares und deutliches Nein! Das war ausreichend, um mir jegliche Mühe, andere zu überzeugen zu sparen. Es war beschlossen. Der Film sollte nie vorgeführt werden.

 

 

 

Wie gehe ich damit um?

 

 

 

Gemischte Gefühle kamen in mir hoch. Auf der einen Seite war ich irgendwie sauer, darüber dass ich soviel Zeit und Arbeit in dieses Projekt gesteckt habe und darf nichts damit machen. Ein bisschen depressiv, ein bisschen wütend, aber auf der anderen Seite habe ich Verständnis dafür, dass man sich nicht billig hergeben will. Und Leute, wie der ArtDirector und auch meine Kollegen gaben mir Ratschläge, die ich nicht einfach ignorieren will oder sollte, denn es sind gut gemeinte Ratschläge, auch wenn es schwer fiel, sich von dem Gedanken einer Veröffentlichung zu verabschieden. Ich brauchte etwas Zeit, um das zu verdauen, denn ich habe mir für den Film wirklich den Arsch aufgerissen. Aber ich bin nicht der Typ, der einfach den Kopf in den Sand steckt. Ich will mir weiter den Arsch aufreißen, weil ich nichts anderes kenne. Und ich gebe die verdammte Hoffnung nicht auf, mal etwas zu machen, mit dem ich jedem eine Freude bereiten kann. Ich konzentriere mich jetzt auf andere Projekte. Manche mache ich mit anderen Kollegen (z. B. WartimeAdventure) und andere mache ich alleine, ohne jede Einschränkung. Und ja, ich reiße mir jedes mal meinen Arsch auf. Ich opfere viel Zeit, Schweiß und Blut. Und ich muss es nicht jedem Recht machen. Ich habe sogar ein richtiges Unternehmen gegründet und verdiene mit den Sachen, die ich mache ehrliches Geld. Jetzt noch nicht so viel, aber es läuft immer besser. Ich bin nicht beratungsresistent, denn ich nehme auch heute noch die Kritik und Ratschläge meines ArtDirectors entgegen. Ich schreibe illustrierte Romane und Comics und als er sah, was für Bilder ich zeichnete, sagte er, ich soll vor der Veröffentlichung noch mehr davon machen, denn sie seien beeindruckend und ich solle alles rausholen, was ich kann. Hier gab er mir den Rat "Du erhält keine zweite Chance einen ersten Eindruck zu hinterlassen.". Ich bin diesem Rat gefolgt und konzentriere mich jetzt auf die Kunst, die mir am meisten liegt. Und davon werdet ihr immer mehr zu sehen bekommen.

 

 

 

Ich akzeptiere mich so, wie ich bin. Wenn ich mir heute den Film zu Hause ansehe, blicke ich zurück zur Privatvorführung, an der wir alle zusammensaßen. Allein dieser Moment war es doch wert. Das kann mir kein Mensch nehmen. Ich kann nur immer wieder aufstehen und weitermachen und von dem lernen, was ich beim letzten mal falsch gemacht habe. Nichts und niemand kann mich aufhalten. Das konnte noch nie irgendetwas.

 

Mein Fazit: Wenn ihr selber einen Film dreht, habt nicht zu viele Erwartungen von dem Ergebnis, aber die Erfahrungen an einem Gemeinschaftsprojekt zu arbeiten, mit all dem Chaos, den Ideen und Missverständnissen sind ein großes Erlebnis.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
Kommentare: 1
  • #1

    goh (Montag, 15 Juli 2013 15:56)

    das ist ein test